Das Rockmärchen Rockmärchen Glücksfinder - ein musikalisches Schulprojekt

Zur Entstehung

Der Schul-Chor Donnerwetter – aus der Fotoserie zur CD-Produktion im Mai 2001

Entstanden ist die Idee des Rockmärchens Glücksfinder aus einem heimatkundlichen Unterrichtsthema heraus. Im Sinne einer Hinführung zur näheren Heimat galt es den geografischen Zusammenhang zwischen Mosel, Eifel und Hunsrück herzustellen und - wie dies an der Rosenberg-Schule üblich ist - mit dem Unterrichtsgegenstand Musik in Verbindung zu bringen. Wie so oft fand sich auch zu diesem Thema kein passendes Material, so dass im Rahmen der mittelfristigen Planung die Idee zu einer Eigenproduktion mit folgender Geschichte entstanden ist:

„Ein Junge und ein Mädchen machen sich nach einem kleinen Streit auf einem Basketball-Platz auf die Suche nach dem Glück und kommen dabei an den Rebstöcken an der Mosel vorbei, die von dem Glück des Wachsens und Werdens erzählen. Danach begegnen sie auf dem Hunsrück den Vögeln des Vogel-Cafes, die von ihren Freunden und dem gemeinsamen Leben berichten und einem Traktor, der von seiner Freude an der Arbeit schwärmt. Zu guter letzt erzählt ein dicker Vulkanstein von seiner inneren Kraft und der Wärme, die jeder in sich trage.

Nach diesen Erfahrungen an der Mosel (Glück ist für die Rebstöcke das Wachsen und größer werden), im Hunsrück (für die Vögel ist Freundschaft eine Form des Glücks) und in der Eifel (hier berichtet der Vulkan von der großen, inneren Kraft, die jeder zum Glück in sich trägt) machen sich die beiden wieder auf den Rückweg und berichten auf dem Basketball-Platz den anderen von ihrer Suche nach dem Glück. Davon beeindruckt bieten die ihnen die Freundschaft an und gemeinsam singen sie im Abschlusslied darüber, was glücklich macht“ (aus: Glücksfinder – ein Rockmärchen).

Zu Beginn des Schuljahres liefen also die Planung des Drehbuchs, das Arbeiten im Proberaum, sowie die Organisation in der Schule parallel, so dass nach den Weihnachtsferien der inhaltliche Rahmen fertig war und das eigentliche Arbeiten mit den Schülern begonnen werden konnte.

top

Das Proben – vom Papier in die Köpfe

Der Gesamtaufbau des Rockmärchens legte zugleich die musikalische Aufgabenverteilung im gesamtschulischen Kontext nahe, insgesamt gab es 6 verschiedene Ebenen, auf denen von Januar bis Juni parallel geprobt wurde:

Die Solo-Sänger des Schul-Chors - aus der Fotoserie zur CD-Produktion im Mai 2001.
Die Musiker des Nikolaus-von-Kues-Gymnasiums mit ihrem Lehrer und Leiter der Big-Band Martin Giezen.
Titelbild zu "Glücksfinder - ein Rockmärchen".
  • Die Proben / Aufgaben der Stufen: Es gab eine Moselszene, die die Geschichte von der Rebstock-Band erzählte - von der szenischen Darstellung ideal für eine Unterstufe geeignet. Etwas schwieriger im Proben war da schon die Darstellung des Vogel-Cafes in der Hunsrück-Szene, was dann die Mittelstufen übernahmen. Die Cheerleader der Rosenberg-Schule übernahmen die Tanzrollen in einem weiteren Mosel-Lied („nach China“) sowie in den Szenen zur Eifel („Eifel-Giganten“ und „Eifel-Disco“).
  • Proben mit Donnerwetter: Parallel zu diesen Szenischen Verteilungen bekam der noch junge Schulchor Donnerwetter eine zentrale Rolle in diesem Vorhaben, sollten doch die Schüler hier wesentliche Passagen der Lieder selber singen. In diesem Schuljahr noch dienstags, wurde fleißig mit dem aktuellen Liedmaterial der Bandproben (Mehrspur-Mitschnitte und erste Probeaufnahmen) in der Turnhalle geübt, nach und nach wurde das Liedgut erweitert, wiederum ergänzt durch die Proben der Solosänger und durch erste Probetage mit der Band.
  • Proben der Solo-Sänger Die Förderung von Sologesang - parallel zum Chorgesang - ist fester Bestandteil im Schulchor Donnerwetter. In Bild: oben sind die Solosänger des Rockmärchens zu sehen (v.l.n.r.: Sascha, Tobias, Alex und David), heute sind natürlich wieder andere Schüler nachgerückt. Den Vorteil, den wir in der Rolle der Solo-Sänger sahen, war zum einen
  • der Aspekt der Sprachverständlichkeit des Einzelgesangs (über die direkte Mikrofonabnahme),
  • zum anderen die Stärkung des Selbstwertgefühls des Sängers. Unsere positiven Erfahrungen bestätigen uns in unserem methodischen Vorgehen.
  • Proben der Donnerwetter-Band: Begleitung für den Gesang war geplant durch die nun wachsende Donnerwetter-Band (Schlagzeug, Keyboards, Bass, Gitarre, Gesänge), die wiederum durch die 3 Bläser aus der Big-Band des Nikolaus-von-Kues-Gymnasiums in Bernkastel-Kues harmonische Unterstützung fand (Saxophon, Trompete und Posaune). Das nun schuleigene Liedmaterial (Musik: Schäfer / Kappes / Kuntz – Text : Schäfer / Kappes / Straubel) zum Rockmärchen wurde durch die Bläserstimmen von Martin Giezen nochmals bereichert. Das Proben verfeinerte zunehmend den musikalischen Rahmen, der in den Aufführungen / Aufnahmen die Fähigkeiten unserer Schüler (Gesang, Tanz, Schauspiel, Bühnenbild) in ein angemessenes Licht setzen konnte.
  • Choreographie der Cheerleader:Es ist schön eine große Bühne zu haben, wie dies in der Moselland-Halle der Fall ist (12 Meter in der Breite, 6 Meter in der Tiefe und 5 Meter Deckenhöhe auf der Bühne), jedoch wirkt eine solche Größe nur, wenn sie mit Tanz, Bewegung und Leben gefüllt ist. An dieser Stelle brachten sich die Cheerleader in das Geschehen mit ein und studierten parallel zu den anderen Probephasen Tänze passend zu den einzelnen Szenen ein (s.o.). Besonderen Eindruck machte hier unser David Moser, der in seinem Rollstuhl zum Mittelpunkt choreographischer Inszenierungen und Schwarm der Cheerleader wurde.
  • Theater-Proben: Die Theaterrollen waren verteilt auf unsere eigenen Schüler aus der Ober- und Werkstufe und auf die Schüler der Theater-AG des Nikolaus-von-Kues-Gymnasiums, wobei letztere die umfangreicheren Sprechrollen (Hauptdarsteller Junge-Mädchen) übernahmen. Nach einem zunächst parallelen Proben, trafen sich die beiden Gruppen dann in regelmäßigen Abständen in der Rosenberg-Schule, um die bisherigen Ergebnisse der Probenarbeiten zusammenzuführen. Im weiteren Verlauf konnten auch noch Feinheiten am Drehbuch auf den neusten Stand gebracht werden, um daran anschließend die ersten Proben mit Musik, Band und Kostümen anzugehen.

Diese 6 Ebenen der Probenarbeit liefen über einen Zeitraum von etwa fünf Monaten parallel ab, jede Gruppe konnte für sich in Ruhe proben, so dass kein unnötiger Zeit-Druck erzeugt wurde - ein großer Vorteil für Schüler und Lehrer.

top

Stichwort Integration

In den Darstellungen zu den Proben haben wir schon kurz den kooperativen Ansatz dieses Projektes angerissen: Nicht nur innerhalb der Schule fand ein klassen- und stufenübergreifendes Miteinander statt, sondern auch außerschulischen Kooperationspartner kamen in die Rosenberg-Schule hinein und brachten so die Integration unser Schüler in das Leben der Stadt Bernkastel-Kues ein Stück voran:

Die Musiker des Nikolaus-von-Kues-Gymnasiums Thomas Bork (Trompete) und Sabrina Buckenmaier (Saxophon) sind seit diesem Projekt fester Bestandteil der Donnerwetter-Band, letztere studiert zurzeit in Heidelberg Lehramt für Förderschulen.

  • Die Theater-AG des Nikolaus-von-Kues-Gymnasiums, die durch die Übernahme wesentlicher Sprechrollen das Vorhaben unterstützte und hierbei enge Kontakte zu unseren Schülern knüpfte.

Insgesamt konnte das Rockmärchen Glücksfinder die Fähigkeiten und Möglichkeiten unserer Schüler so positiv in den überregionalen Mittelpunkt des öffentlichen Interesses rücken (lokale und regionale Presse, Rundfunk, Fernsehen), dass dieses Projekt im Jahr 2003 vom Ministerpräsidenten des Landes Rheinland-Pfalz Kurt Beck mit dem „Preis für Teilhabe, Gleichstellung und Integration behinderter Menschen“ in Mainz ausgezeichnet wurde.

top

Die Umsetzung – raus aus den Klassen, rauf auf die Bühne

Geeignete Aufführungsorte zu finden ist nicht immer so einfach, um so besser stellte sich für uns die Situation mit der Moselland-Halle dar, die 300 Meter von der Schule entfernt auf dem Kueser Plateau liegt. Nachdem die Miete - im Rahmen unserer Gesamtfinanzierung in Höhe von damals 20.000 DM - abgedeckt war, konnten wir schon mit den beginnenden Probearbeiten das eine oder andere Mal die große Bühne in der Moselland-Halle ausprobieren. Immerhin sollten die 700 Besucher pro Veranstaltung eine Aufführung erleben, die vom ersten Lichteffekt bis zum letzten Zugabe-Vorhang reibungslos abläuft.

Wesentlicher Garant für dieses Ablaufen war zum einen die schlüssige Aufgabenverteilung im Musik- und Organisationsteam (bestehend aus Kollegen der Schulen, Elternvertretern und Mitgliedern aus Stadt- und Verbandsgemeindeverwaltung), sowie die uneingeschränkte und tolle Beteiligung des Kollegiums der Rosenberg-Schule. Jeder übernahm Aufgaben für seine Klasse und für seine Schüler, alle waren im Rockmärchen-Fieber. Im Hinblick auf den Übergang von der Klasse auf die Bühne mussten „nur“ alle Bausteine - auf der Grundlage des Drehbuchs, das alle Klassen in regelmäßig aktualisierter Fassung an die Hand bekamen - zusammengesetzt werden.

top

Der Projekt-Charakter

Im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung beschäftigten sich die Schüler natürlich auch mit den sachunterrichtlichen Aspekten aus Eifel, Mosel und Hunsrück. Hier nun einige der Zeichnungen aus den Unterrichtsgängen:

Toms Zeichnung von zwei Rebstöcken nach einem Unterrichtsgang in den Weinberg.
Sabrinas Zeichnungen von Vögeln – entstanden nach einer Fahrt in den Hunsrück.
Saschas Zeichnung eines Vulkans – entstanden nach einer Fahrt in die Eifel und einem Besuch im Vulkan-Museum Manderscheid.
top

Die CD-Produktion

Ist erstmal einmal ein umfangreiches Liedmaterial vorhanden, liegt es nahe, daraus ein eigenständiges Album zu produzieren. Für die Rosenberg-Schule war dies im Schuljahr 2001/2002 die 4. CD-Produktion nach dem Album Zeitlos und den Single-CDs Jahreszeiten und Straßenverkehr, zahlreiche Veröffentlichungen sollten noch folgen.

Für die CD-Produktion stand im Rahmen der o.a. Gesamtfinanzierung ein finanzielles Fenster von insgesamt 3000 DM zur Verfügung (1400 DM Presswerk / Duplikation und Druck / 1600 DM Ton-Studio F Die Kosten für die CD-Duplikation entspricht auch heute etwa einem Betrag von 700 Euro für 1000 CDs bis 74 Min.).

Im Studio selber wurden zunächst nur die Instrumental-Spuren eingespielt (32-Spur Digital in 20-Bit Auflösung), diese wurden dann in einem Rough-Mix auf ein weiteres 16-Spur-ADAT-System mit einer Stereo-Spur aufgespielt. Dies bot uns die Möglichkeit in der Schule mit einem unbegrenzten Zeit-Deputat sowohl die Solo-Gesang-Spuren, als auch die Chor-Spuren in unserer kleinen Gymnastikhalle einsingen zu lassen.

Die beiden synchron laufenden ADATs boten eine komfortable Aufnahmetechnik, die ohne Probleme mit den bisherigen Aufnahmen der MACs kompatibel waren. Für die Schüler war das Einsingen ohne den Zeitdruck im Studio von großem Vorteil. Nach dem Mix-Down der insgesamt 40 Ton-Spuren zu einer Master-Fassung sprach unserer damaliger Schulleiter Hans-Günter Schmidt die Erzähler-Spuren ein, in Corel-Draw konnten die Druckvorlagen selber und kostengünstig vorbereitet werden und nach 2 Wochen kamen die ersten 1000 CDs unserer Rockmärchen-Produktion palettiert zur Schule – weitere Auflagen sollten folgen.

top

Zur Finanzierung

Im Hinblick auf die Umsetzung solcher gesamtschulischen Großprojekte können die finanziellen Belastungen (Vorlagen) natürlich nicht an der einzelnen Schule hängen bleiben. Je mehr Geldgeber gefunden werden, desto runder kann der Rahmen für die Schüler gestaltet werden.

Wir haben die Gesamtfinanzierung auf folgende Punkte verteilt:

  • Einnahmen aus den Veranstaltungen,
  • Verkauf der CD, des Videos und des Buches,
  • Werbung auf Plakat, Programmheft und Eintrittskarte,
  • Zuschüsse der Stadt, der VG, des Landkreises, des Jugendparlamentes und der mobilen Jugendarbeit, der Stiftung Kultur des Landes Rheinland-Pfalz sowie des Ministeriums für Bildung, Frauen und Jugend des Landes Rheinland-Pfalz.

Durch das Vorstellen eines konkreten Vorhabens, einer zielorientierten Planung und einer schlüssigen Finanzierung wurden alle unsere o.a. Anfragen positiv beantwortet.

top

Die Aufführungen – Fünfmal volles Haus

Durch die Vorankündigungen mit Hilfe der CD, sowie zahlreicher Zeitungsartikel und Rundfunk-Berichte waren die zunächst geplanten 3 Veranstaltungen mit je 700 Besuchern bis auf den letzten Platz ausverkauft (Juni 2002).

Ermutigt durch diese umwerfende Resonanz verständigte sich das Kollegium auf weitere zwei Veranstaltungen im Dezember 2002 - wieder beide ausverkauft-, so dass insgesamt 3500 Zuschauer die Suche nach dem Glück mitverfolgen konnten und so dem Förderverein der Rosenberg-Schule ein erfreuliches Weihnachtsgeschenk bescherten.

Schüler der Unterstufe in der Rebstock-Band (Thema Mosel).
Schüler der Mittelstufe im Vogel-Cafe (Thema Hunsrück).
Die Cheerleader beim Vulkantanz (Thema Eifel).
Junge und Mädchen – zwei Schüler der Theater-AG des Gymnasiums.
top

Die Maske - Gesichter aus Wasser, Blumen und Steinen

Begeisterung, Zuspruch und Lob gab es nach den Aufführungen zu vielen Dingen: Die Musik, der Gesang und das Schauspiel der Schüler, die Bühnengestaltung, die Kostüme und die Ausstrahlung unserer Schüler auf der Bühne wurden immer wieder genannt. Ein vermeintlich kleines Detail beeindruckte ganz besonders: Die farbenfroh und thematisch abgestimmt geschminkten Gesichter. In der unteren Abbildung bekommt man einen Eindruck im Detail - umwerfend wirkte das Gesamtbild.

Erika als Hawaii-Mädchen – mit Blumenschmuck in Gesicht und Haaren tanzt sie zum Lied der Mosel
top

Schöne Erinnerungen

Mit schönen Erinnerungen sind nicht nur die Schüler und Lehrer der Rosenberg-Schule aus diesem Musik-Projekt nach Hause gegangen, sondern auch alle, die in irgendeiner Form damit in Berührung gekommen sind (Organisation, Bühne, Licht, Ton, Kostüme, Druck, Werbung, Presse, Funk, Fernsehen, nicht zuletzt die Schüler und Kollegen des Nikolaus-von-Kues-Gymnasiums und der Berufsbildenden Schule in Bernkastel-Kues).

Nachhaltige Wirkungen zeigen sich auch in den daraus resultierenden Freundschaften zwischen den Schulen, dem Einstieg der Gymnasiasten in die Donnerwetter-Band oder den Bewerbungen um Praktika an unserer Schule im Rahmen der Berufsorientierung (Studium Lehramt für Förderschulen / Sonderpädagogik).

In diesem Projekt „ Glücksfinder – ein Rockmärchen“ haben viele Menschen das Glück gefunden. Noch mehr Glück gibt’s auf der Homepage der Rosenberg-Schule (www.Rosenberg-Schule.de).

-> weitere Infos zur CD sowie kostenlose MP3-downloads findet ihr auch hier -> CDs/DVDs

 

Der Text stammt in Auszügen aus dem Artikel: Schäfer, Holger /  Kappes, Manuela: Das Rockmärchen Glücksfinder – ein musikalisches Schulprojekt  (in Lernen Konkret 03/2007, 18 bis 21).